1937
Laudatio
Sehr Gelehrter Herr Doctor.
Es freut mich, Sie jetzt als Doctor begrüssen zu können. Sie haben es sich nicht leicht gemacht, diese Würde zu erreichen und je langer und schwerer Ihre Arbeit war,·je grosser wird auch jetzt Ihre Freude sein, das werk gekront zu sehen.[2] In dieser Ihrer Freude teile ich vom ganzen Herzen. Ich sage, Sie haben es sich nicht leicht gemacht. Ich meine, dass ganz besondere Umstände Sie auf einen Weg geführt,[3] den Sie früher gar nicht geahnt hätten. Sie studierten nicht hier sondern an der alten berühmten·Universität von Upsala und Sie waren ganz nahe daran, da die Doctorswürde zu erreichen. Sie studierten Theologie und wir haben mit grosser Freude konstatieren können, dass Sie studiert haben, wie es an der Universität geschenen soll, mit grosser Selbständigkeit mit eifrigem Suchen nach der Wahrheit. Die Zeugnisse, die Sie uns überreichten sagen uns schon, dass Sie ein fleissiger Student gewesen, die Arbeit, die Sie als Dissertation eingereicht haben, zeigt[4] dass Sie der Philosophie und Theologie lhrer Heimat gemacht ernsthafte Studien gewidmet haben. Es ist merkwürdig, dass Sie gerade den jungen Geijer, einen der Hauptpersonen der schwedischen Philosophie im vorigen Jahrhundert zum Object Ihrer Dissertation gewählt haben. Er steht in der Geschichte der Schwedischen Philosophie wie ein der am meisten gemässigten und seine Verteidigung der gesunden Vernuft, le bon sens commun der Franzosen zeigt uns, dass er vielleicht von allen schwedischen Philosophen der letzten Jahrhunderte unserer katholischen Philosophie am nähesten steht. Seine Würdigung des Gegenseitsverhältnisses zwisschen Objekt und Subjekt, seine Annahme von einem potentiell sich vorfinden des gekannten im [2] kennenden Subjekte, seine Gotteserkenntnis aus Natur und Geschichte als objektive Offenbarungen Gottes haben ihn uns sehr nahe geführt. Leider kam er nicht so weit, dass er sich ganz zur aristotelischen Philosophie bekannte. Er war stark genug, eine Umkehr[5] in der Entwicklung seiner Meinungen offenbar zu machen und öffentlich kund zu geben; dass seine Freunde sich von ihm abkehrten und von Abfall redeten, hat ihn nicht gehindert seine abweichende Meinung zu verkündigen, nur hat er nicht das Glück gehabt, sich ganz sicher zu fühlen und ist er zufrieden geblieben, sich der Wahrheit zu nähern. Man hat seine Umkehr[6] einen politischen Abfall zum Liberalismus genannt, er war viel mehr, er war viel tiefer und stand in enger Beziehung zu seiner Philosophie. Er hat seine Freunde verlassen, weil ihm die Wahrheit lieber war: magis amica veritas. Er sagte: wenn ich abgefallen bin, es ist nicht ohne Ursache gewesen. Ich bin immer ein Sucher gewesen. Leider musste er hinzufügen: Ich habe niemals die Wahrheit gehabt, habe sie aber immer gesucht.
Das Leben dieses Suchers hat Sie gefesselt. Sie haben wie er fleissig studiert um die Wahrheit zu suchen. Sie sind glückliger gewesen. Sie dürfen sagen und sagten es often:[7] Ihnen ist die Wahrheit klar geworden. Und Sie haben wie einmal Geijer die Wahrheit über Ihre Freunde gestellt. Ihre religionsgeschichtliche Studien haben Sie zur katholischen Kirche geführt und Sie haben dafür eine schöne Stellung in der heimatlichen Kirche aufgegeben. Das hat Sie nicht nur von vielen Freunden getrennt, [3] damit haben Sie auch die Verbindung mit Ihren Universität von Upsala verloren. Wir verstehen und man wird es auch in Upsala verstehen, dass Sie an dieser ehrwürdigen Universität kaum die Protestantisch orientierte Theologie weiter studieren könnten und es auch sehr schwer war, da die Philosophie als Hauptfach zu wählen, wo ihre philosophischen Ansichten sich ganz anders orientierten. In dieser Lage haben wir gemeint, Ausnahmsweise Sie zur Promotion an unserer Katholischen Universität zulassen zu dürfen, wobei wir aber gerne die wissenschaftliche Arbeit der Universität von Upsala ehren und würdigen und wir auch unsere Hoffnung zum Ausdruck bringen, Sie werden immer das viele schöne und gute sich erinneren an dieser Universität Ihnen gezeigt. Es freut mich, dass Sie nachdem Sie erst Ihre Stellung verloren jetzt wieder eine der schönsten die Sie wünschen konnten erworben haben, eine Stellung bekamen an der grössten Zeitung Schwedens. Sie werden damit in der Lage sein, Ihre Studien fruchtbar zu machen, besonders wenn Sie es verstehen werden, gemässigt und liebevoll der Wahrheit zu dienen. Ich wünsche Ihnen dies vom ganzen Herzen. Sie kehren jetzt als doctor in die Heimat wieder. Ich gratuliere zu diesem freudigen Rückkehr nicht nur Ihnen selbst sondern auch Ihrer Frau und Kindern. Sie werden wohl die Güte haben wollen, ihnen meine Gratulation zu überbringen. Mit ihnen am engsten vereint wünsche ich Ihnen eine segenreiche Arbeit, eine glückliche Zukunft. Das vermittle Ihnen die Liebe Gottesmutter derer Mittlerschaft die katholische Kirche heute feiert.
- Typescript (NCI OP 96.16), 3 pages. Laudatio to Kåre Skredsvik at his PhD graduation, 31 May 1937. The typescript shows some corrections by pencil. We present these corrections in italics and footnotes. ↑
- ‘jetzt die Krone auf das werk gesetzt zu sehen’ is corrected to: ‘das werk gekront zu sehen’. ↑
- ‘gebracht’ is corrected to ‘geführt’. ↑
- ‘sagt’ is corrected to ‘zeigt’. ↑
- ‘Schwenkung’ is corrected to ‘Umkehr’. ↑
- ‘Schwenkung’ is corrected to ‘Umkehr’. ↑
- Crossed out is: ‘Sie haben de Wahrheit gefunden’. ↑
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Published: Titus Brandsma Instituut 2026